Kleiderordnung

Manchmal denke ich über Tweets nach. Das ist nicht besonders wichtig, aber ich kann hier ja schreiben was ich will. Jedenfalls denke ich manchmal über Tweets nach. Über diesen hier zum Beispiel:
Einen Tweet zuvor schrieb er oder sie sinngemäß, dass man sich ja wohl nicht darüber wundern müsse angebaggert zu werden, wenn man seine Brüste ständig in die Timeline hält.

Das Leben ist voller Regeln und Konventionen. Im Grunde ein ständiger Spießrutenlauf. Wir müssen Leuten gefallen, uns gesellschaftlichen Zwängen unterwerfen, wir müssen aussehen und funktionieren, denn Kleider machen Leute. Und Kritiker. Vor allem machen Kleider Kritiker.

Warum eigentlich kann die AutorIn des Tweets darüber nur lachen? Nehmen wir mal an, ein Restaurant macht einen sehr guten Bohneneintopf. Es ist sogar ein fantastischer Bohneneintopf. Leute aus dem ganzen Land kommen, um ihn zu essen. Köchen und Servicekräften ist es ein bisschen zu eintönig, ständig Bohneneintopf zu machen oder zu servieren, deshalb werden sie nicht müde zu betonen, dass sich neben diesem grandiosen Bohneneintopf auch viele andere leckere Speisen auf der Karte befinden, die es ebenfalls wert sind probiert zu werden. Trotzdem prangt auf der Karte ein schön ausgeleuchtetes Foto eines so lecker aussehenden Bohneneintopfs, dass einem das Wasser im Mund zusammenläuft. Jedenfalls wenn man Bohneneintopf mag.

Nun handelt es sich nicht um ein Restaurant, sondern um Twitteraccounts.

Übrigens vornehmlich weibliche, jedenfalls hätte ich noch nie (in Zahlen: 0) eine solche Bewertung über einen männlichen Account gelesen. Mag aber an mir liegen.
Es ist auch kein Bohneneintopf, sondern es geht um Brüste. Vermutlich mehr oder weniger freizügig verpackte. Der Tweet impliziert also, dass man kein enges Top tragen darf, ohne auf seinen Körper reduziert zu werden. Schade eigentlich, ich trage so gern enge Tops. Warum darf man eigentlich nicht zeigen, was man hat und trotzdem darauf hinweisen, dass da auch noch andere, nicht so offensichtliche, Sachen sind, die einen Blick lohnen? Warum darf man sich nicht anziehen wie man will und trotzdem respektvoll behandelt werden?

Auffällig ist übrigens auch, dass es in Tweets über männliche Kleidung immer um die Männlichkeit oder das Aussehen geht. Skinny Jeans zum Beispiel sind wahlweise einfach hässlich oder eine hochpotente Gefahr für die Testikel.

Bitte beachten Sie an dieser Stelle das sensationell platzierte "hochpotent"-Wortspiel!
Männermode ist aber so gut wie nie ein Indikator für die Intelligenz seines Trägers. Und es wird auch nie darauf hingewiesen, dass man durch das Tragen eines bestimmten Kleidungsstücks zum Freiwild für sämtliche überkochende Hormonsuppen in der näheren Umgebung wird.

Wenn es in unserer Gesellschaft nicht mehr möglich ist, körperliche wie geistige Attribute hervorzuheben ohne allein darauf reduziert zu werden, dann ist die Gesellschaft meiner Meinung nach ganz einfach scheiße und man sollte das ändern, indem man besser ist als das und nicht, indem man anderen sagt was sie zu tragen haben um ein bestimmtes Ergebnis zu erzielen! Darüber hinaus besteht keinerlei verpflichtende Relation zwischen der Tiefe eines Ausschnitts und dem IQ seiner Trägerin. Oder zwischen der Kürze ihres Rocks und ihrer Paarungsbereitschaft. Sie dürfen die letzten beiden Sätze nahezu beliebig kombinieren.

Herzlichst, Ihr Rock Galore

Epilog
Die AutorIn des Ursprungstweets bittet in ihrer Twitter-Bio darum, bitte an der zweiten rechts klugzuscheißen. Hier scheint also die zweite rechts zu sein, sie dürfen die Gelegenheit dazu daher gern unten in den Kommentaren nutzen. Ob "anderen erzählen, was sie zu tragen haben" ebenfalls zum Klugscheißen zu zählen ist, ist nicht überliefert.

Kommentare

  1. https://twitter.com/Natasnoctem/status/486120306218901504

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  2. @Rock Galore najaa, es gibt auch bei Männern Vorurteile bei Kleidung und glauben Sie mir man bekommt auch als Mann plumpe Anmachen ab.— l'oncle Noctambule (@Natasnoctem) 7. Juli 2014

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  3. @rock_galore najaa, es gibt auch bei Männern Vorurteile bei Kleidung und glauben Sie mir man bekommt auch als Mann plumpe Anmachen ab.— l'oncle Noctambule (@Natasnoctem) 7. Juli 2014



    Hallo,
    "immer" war vielleicht übertrieben, "meistens" wäre korrekter gewesen. Ansonsten verstehe ich den Sinn des Tweets nicht ganz. "Alles nicht so schlimm, anderen geht´s genauso" hilft ja nun wirklich niemandem.


    Herzlichst, Ihr Rock Galore

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  4. https://twitter.com/Knochenweib/status/486122909833129985

    https://twitter.com/Knochenweib/status/486123532091666433



    Hallo,
    das ist verständlich. Ich hatte auch gar nicht vor, Frauen oder einige ihrer Körperteile, generell mit Essen zu vergleichen. Es ging mir mehr darum, dass Prinzip von Marketing darzustellen und dass das herausstellen eines Produkts nicht zur Folge haben muss, dass nicht auch mehr dahinter zu finden ist. Das es dann doch Essen wurde liegt vielleicht daran, dass ich beim Schreiben etwas hungrig war. Es hätte sich genauso gut um Kleidung, Autos oder Sexspielzeug handeln können ohne den Sinn zu verfälschen.


    Herzlichst, Ihr Rock Galore

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  5. l'oncle Noctambule7. Juli 2014 um 14:37

    so war das jetzt nicht gemeint, wobei mein Tweet auch leicht falsch zu interpretieren war (. Es stimmt schon, dass man auf sein Äusseres reduziert wird und es ist nicht immer förderlich für das zusammenleben, aber der Artikel ist mir zu einseitig und allgemein gehalten. Es hört sich so an als gäbe es keinerlei Zusammenhang zwischen freizügiger Kleidung und der Aussage "mach mich an". Es gibt durchaus auch Damen und Herren die gerade diese Aufmerksamkeit und avancen suchen.
    Wo Sie auch recht haben ist, dass man mit freizügigen Pics schnell als "dummgeil" abgestempelt wird, aber das ist doch jedem bekannt. Deshalb sollte jeder selbst entscheiden wie er wahr genommen werden will und sich auch dementsprechend präsentieren. Wenn das Restaurant auch etwas anderes als Bohneneintopf verkaufen will muss es sein Marketing ändern anstatt sich über die Gäste aufzuregen. Das bringt nämlich gar nichts!

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  6. Ich kann mir vorstellen, dass auch viele Menschen Pullis mit Hakenkreuz-Mustern toll finden. Wenn sie so jemanden treffen würden, hätten Sie auch direkt eine Meinung über diesen Menschen, ohne auch nur mit ihm geredet zu haben, oder?

    Mir ist es ehrlich gesagt ziemlich Wurst, wie sich andere Menschen anziehen, verbieten will und kann ich es eh nicht. Nur ich nehme mir auf der anderen Seite das Recht raus, mich nicht wegen meinen instinktiven Bewertungen schämen und rechtfertigen zu müssen.

    Wenn eine Frau einen sehr tiefen Ausschnitt trägt, ärgert es mich mittlerweile. Denn erstens wird gesellschaftlich gefordert, dort nicht hinzustarren, obwohl mich meine Biologie dazu drängt. Folglich muss ich Anstrengungen unternehmen, um höflich zu bleiben, nur weil die Trägerin sich für einen tiefen Ausschnitt entschieden hat.
    Und zweitens bleibe ich im Unklaren, was die Intention hinter dem Outfit ist. Entweder der Frau gefällt nur das Outfit, dann ist alles ok. Aber ein nicht geringer Teil der Frauen weiß, dass sie ihre Reize gezielt einsetzen können, um eigene Ziele zu erreichen, und das ist scheiße. Ich gehe meist von letzterem aus, weil alle Menschen meist auf den eigenen Vorteil aus sind.

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  7. Hallo,
    bloß weil manche diesen Zweck im Sinn haben sollte man ihn halt nicht zwingend bei allen voraussetzen. Ich schrieb ja auch "keine verpflichtende Relation", das impliziert schon, dass es sie gibt, dass man aber vielleicht einfach vorher mal das eigene Gefühl überprüfen sollte.
    Ich finde halt, wenn man mal ein paar tausend Tweets geschrieben hat und dazwischen eine Handvoll Selfies oder was auch immer hat, hat man Körper und Geist beworben, von den Tweets redet aber niemand, sondern es geht nur um "du musst dich ja nicht wundern". Das "Marketing", wenn man mal bei dieser Begrifflichkeit bleiben will, ist also, grade bei Twitter, durchaus ausgewogen, aber der "Kunde" hat eine sehr einseitige Wahrnehmung.


    Herzlichst, Ihr Rock Galore

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  8. Hallo,

    also dafür, körperbetonte Kleidung mit Klamotten zu vergleichen, die Werbung für den Nationalsozialismus, und damit auch Dingen wie dem Holocaust, macht, fehlt mir tatsächlich ein wenig die Fantasie. Ich finde diesen Vergleich verstörend und leider wird es im Folgenden nicht besser.

    Ja, es wird gesellschaftlich gefordert, da nicht hinzustarren. Das gilt übrigens auch für Unterhaltungen mit Männern. Ich würde Sie sehr bitten, mir nicht auf die Nase zu starren, falls wir uns mal begegnen. Oder die Füße. Oder meinen Penis, Sie Schelm. Ach nein, das ist ja vermutlich nicht "biologisch".

    Dass Sie Anstrengungen unternehmen müssen, um höflich zu bleiben, tut mir sehr leid. Das liegt aber nicht daran, dass ihr Gegenüber sich für eine bestimmte Kleidung entschieden hat, sondern schlicht und ergreifend daran, dass Sie scheinbar ganz einfach nicht höflich sind. Sonst wäre das nämlich kein Problem. Dinge, die man kann, macht man halt einfach.

    Die Biologie. Ich habe an anderer Stelle (http://blog-galore.blogspot.de/2014/05/von-groen-und-kleinen-menschen.html) schon mal geschrieben, dass ich auf Schlüsselreize genauso reagiere wie jeder andere Mann auch. Welcher Trieb jetzt aber genau dafür sorgen soll, dass man Frauen in den Ausschnitt starren muss, die das nicht wollen, erschließt sich mir aber noch nicht. Ich glaube sogar, die Triebe entstanden lange vor dem Ausschnitt, aber gut. Ich fürchte wirklich, Ihr Problem ist nicht die Biologie, sondern vor allem die Empathie. Im Gespräch sieht man seinem Gegenüber zum Beispiel ins Gesicht, egal ob Männlein oder Weiblein.

    Bei der Frage, was die Intention hinter dem Outfit ist, kann ich Sie hingegen beruhigen, es ist immer(!) Ersteres. Weil das erste der kleinste gemeinsame gesellschaftliche Nenner ist. Sollten Sie immer noch unsicher sein, fragen Sie einfach nach.



    Herzlichst, Ihr Rock Galore

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  9. Sehen Sie, auch Sie lassen sich von gewissen Schlüsselreizen (In dem Falle das „Reizwort“ Hakenkreuz) ganz einfach ablenken. Statt sich die Mühe zu machen, die eigentliche Aussage zu erfassen, haben sie einfach ihrem Instinkt nachgegeben. Auch sie sind nur ein Mensch ;)

    Um ihnen zu helfen: Jede „auffällige“ Kleidung löst beim Betrachter eine bestimmte Reaktion aus. Genau wie ein Hakenkreuzpulli vermuten lässt, dass es sich beim Träger um einen Neonazi handelt, genauso löst ein tiefes Dekolletè bei vielen die Interpretation aus, dass es sich um eine Frau handelt, die mit ihren Reizen spielt.

    Ich betrachte mich als ziemlich höflich, eben weil ich nicht starre, weder auf ihren Schritt, noch auf Busen oder sonstiges. Trotzdem würde ich es liebend gerne machen, ich liebe den Anblick von Brüsten. Aber ich tue es nicht, muss mich aber konzentrieren, extra nicht hinzuschauen, wenn der Ausschnitt bis zum Bauchnabel geht. Das ist das gleiche, als wenn jemand ein Muttermal im Gesicht oder ein Glasauge hat. Es sind Reize (entweder das unnormale wie beim Glasauge, oder sexuelle Reize wie beim Ausschnitt)! Nicht viel, es ist auch nicht schwer. Aber Ich werde in eine aktive Rolle gezwungen, und das nur, weil die Person ausgerechnet das Shirt tragen muss und ich nicht als perverser Spanner darstehen will.

    Natürlich war der Trieb auch schon vor dem Ausschnitt da, da hat der Höhlenmensch halt auf die blanken Brüste gestarrt. Und wo ist ihr Punkt?

    Und letztlich bin ich ein wenig überrascht, was für ein Frauenbild sie doch haben. Mich würde es doch stark wundern, wenn Frauen wirklich so naiv wären und ihr Outfit lediglich nach „Gutem Aussehen“ und nicht nach Kategorien wie „Sexyness“ o.Ä. wählen. Wer aus dem Haus geht, sollte sich bewusst sein, das seine/ihre Kleidung eine gewisse Aussage vermittelt und Reaktionen hervorruft. Auch wenn der erste gemeinsame Nenner „gutes Aussehen“ ist, stehen kurz dahinter Sachen wie soziale Stellung, Anlass und Wirkung auf das andere Geschlecht.

    Es müsste sich schon um sehr merkbefreite Wesen handeln, wenn sie sich freiwillig mit Highheels ihre Füße kaputt machen oder sich in viel zu enge Jeans oder Miniröcke zwängen.

    Nein Frauen sind sich dessen bewusst und ich unterstelle ihnen in aller emanzipatorischen Aufklärung den gleichen Egoismus wie Männern. Wer einen entsprechenden Körper hat und entsprechend tiefe Dekolletès zur Schau stellt, der spielt mit Reizen und will dadurch einen Vorteil (sei es Beachtung oder um eine Bevorzugung im Berufsleben zu erhalten).

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  10. Hallo,
    es ist leider so, dass Sie relativ konsequent am Thema vorbeischreiben und es ist ganz gewiss nicht so, dass ich irgendeine Metapher fehlinterpretiert hätte. Selbst wenn Menschen Dinge tun oder tragen, um Ziele zu erreichen geben Sie damit nicht die Selbstbestimmung auf und sind kein Freiwild. Ebenso sind sie nicht zwangsläufig dumm. Mehr habe ich nicht geschrieben. Ihre Ausführungen sind allesamt sehr egozentrisch, aber dies ist ein freies Land, vielen Dank für Ihre Meinung.

    Und die These, Frauen tragen tiefe Ausschnitte, um sie zu manipulieren ist mir eine Spur zu paranoisch. Und mit "eine Spur" meine ich eine große, sehr große Spur.

    Herzlichst, Ihr Rock Galore

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  11. Wir sind eine chinesische Unternehmen, die Kleidung herstellen.
    Jetzt möchten wir beim Internet Geschäftsbereich vergrößern. Unsere Webseite bietet Ihnen vielfältige festliche Kinderkleider. Wenn
    Sie große Menge kaufen, können wir auch nach Ihre Anforderungen maßschneidern.

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