Die Grenzen des Humors

Ich schrieb mal einen Tweet über die verheerenden möglichen Auswirkungen des Karfreitagstanzverbots auf Waldorfschüler. Mir ist, als sei es gestern gewesen, dabei war es vorgestern. Verrückt. Man kann den Tweet lustig finden oder eben nicht und man kann ihn politisch nicht korrekt finden, die entsprechenden Wortmeldungen haben erstaunlicherweise mehr als 10 Stunden auf sich warten lassen.



Nun ja, die Geschmäcker sind selbstverständlich verschieden. Man kann den Tweet faven, retweeten mit "lol" oder "Nicht lustig"-Replies versehen, kurz, die ganze Spanne reflexartiger Web-2.0-Emotionen schwallartig über ihm ergießen, und ihm eben auch mangelnde political correctness vorwerfen und wir befänden uns nicht im Internet, wenn es nicht auch jemanden gäbe, der das täte.

Herr Blume weiß nichts über mich, was ihn nicht davon abhält, mich der Schublade der Regelschüler hinzuzufügen. Wer Waldorfschüler zum Gegenstand eines Witzes macht, muss ja Regelschüler sein. Herr Blume wirft mir also mit politisch korrektem Beißreflex Pauschalisierung vor, indem er seinerseits pauschalisiert. Das macht Herrn Blumes Aussage in meinen Augen viel gefährlicher und diskriminierender als meine, denn ich, und jeder mit einigermaßen gesundem Menschenverstand, weiß, dass mein Tweet "nur" ein Gag war. Ein bis zur Unkenntlichkeit überspitztes Vorurteil und damit ein deutlich erkennbarer Witz. Herr Blume hingegen glaubt, was er schreibt.
Das Verwenden von Stereotypen ist für mich nicht per se diskriminierend, aber die Unterteilung in einfaches schwarz und weiß ist natürlich viel einfacher, als sich mit einem Thema, oder eben einem Witz, auseinanderzusetzen, bevor man ihn bewertet. Man kann über jedes Thema Witze machen, über jede Bevölkerungsgruppe, jede Minderheit. Ich bin sogar in der Lage selbstironisch über mich zu lachen. Auch in Gruppen von mehr als 2 Personen, obwohl ich dort nachweislich eine Minderheit darstelle.


Fun-Fact: Über Mehrheiten werden übrigens die weitaus meisten Witze gemacht, aber ihre Lobby ist einfach nicht gut genug organisiert, um das anzuprangern. Viele Köche und so. 
Ja, ich bin weiß, männlich und gehöre zur Mittelschicht. Mir ist durchaus bewusst, dass es Menschen gibt, die mir deshalb das Recht absprechen, über Diskriminierung zu urteilen. Diesen Leuten möchte ich sagen: Jeder kennt Diskriminierung. Längere wie kürzere Auslandsaufenthalte zum Beispiel sind nach meiner Erfahrung für deutsche, männliche Jugendliche und Männer auch Jahrzehnte nach Kriegsende nicht unbedingt ein Zuckerschlecken, wenn man sich von den Touristenzentren wegbewegt. Genau wie jede Form des Abweichens von der gesellschaftlichen Norm. Darüber hinaus bin ich mir fast sicher, dass ich in einer Demokratie zu ziemlich jedem Thema nicht nur eine Meinung haben, sondern sie auch äußern darf.

Ich bin der festen Überzeugung, jeder sollte selbst die Grenzen seines Humors definieren. Meine liegen bei Krankheiten, wenn es Tote gab, bei Beleidigung nicht-öffentlicher Personen. So was. Man wird in meinen Tweets zum Beispiel keine Witze zu MH370 finden oder zu Fukushima. Was nicht heißt, dass es keine guten gibt, ich mache nur selbst keine. Ab und zu gehe ich auch über diese Grenzen, weil es wichtig ist, sie von Zeit zu Zeit auf den Prüfstand zu stellen. Oft lösche ich die Tweets, wen ich der Meinung bin, dass es zuviel war. Die Grenzen anderer liegen halt woanders und es ist meine freie Entscheidung, ob ich sie lesen und konsumieren will oder eben nicht.
Um ehrlich zu sein, bin ich mir nicht ganz sicher, ob Herr Blume seinen Einwurf überhaupt ernst meinte. Trotzdem habe ich ihn einfach mal zum Anlass genommen, um meine Meinung zu den unsäglichen und, meiner Meinung nach, in vielen Fällen weitgehend sinnfreien Gender-, Rassismus- und sonstigen Diskriminierungsdiskussionen darzulegen, die immer öfter unter Beiträgen geführt werden, die so deutlich als Satire erkennbar sind, dass es schon grotesk ist. Dabei wird sehr oft auch die eigentliche Grundaussage komplett ignoriert und sich an irgendwelchen aus em Zusammenhang gerissenen Begrifflichkeiten festgeklammert.

Aber zur Feier des Tages, weil Ostern ist und ich diesen Blogpost in einem Zustand nah am Schokoladekoma schreibe, lasse ich mich mal zu einer Gegendarstellung zu meinem oben zitierten Tweet hinreißen: Es sind vorgestern nicht Hunderttausende Waldorfschüler orientierungslos durch die Straßen geirrt. Es waren allerhöchstens 2-3 Hände voll.

Herzlichst, Ihr Rock Galore

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