Das Tablet und das Internet - Eine Liebesheirat

Ich schreibe diesen Blogpost an einem Tablet. Es ist mein Tablet. Tablets sind toll. Das Internet ist heimlich in jeden Bereich unseres Lebens vorgedrungen und Tablets verheiraten seine ständige Verfügbarkeit mit dem Komfort eines Handheldgeräts ohne das Auge vor Herausforderungen zu stellen, wie es Smartphones bei längerem Draufschauen tun. Es war eine Liebesheirat. Bevor ich zu schreiben begann, öffnete ich die entsprechende App. Ich navigierte in die App-Einstellungen und fügte ein neues Blogkonto hinzu. Wenn ich fertig bin werde ich es wieder löschen und alle meine Entwürfe verlieren, so wie jedes Mal, denn Tablets sind super, aber die Software ist halt leider scheiße.

Ich verliere natürlich keine Entwürfe, weil ich erst gar keine speichere. Ich finde das schade, aber leider lässt mir die "moderne" Softwarearchitektur keine andere Wahl. Das Problem beginnt schon an der Stelle, an der ein Betriebssystem für Smartphones und für Tablets funktionieren soll, denn während ein Smartphone ein sehr persönliches Gerät darstellt, ist ein Tablet etwas völlig anderes. Ein Tablet ist ein Familiengerät, ein mehr oder weniger öffentliches Internetterminal, es liegt rum, es ersetzt die Fernsehzeitung oder mancherorts gleich den ganzen Fernseher. Gäste benutzen es, Kinder benutzen es, Ehepartner benutzen es und doch ist die Softwaregrundlage dieselbe wie bei Smartphones.

Für mich macht das weite Teile des Tablets unbenutzbar. Ich richte das Mailprogramm nicht ein. Ich benutze die Kontakte nicht. Kein Hangouts, kein Twitter und kein Facebook auf meinem Tablet. Keine Dropbox, kein Google Drive. Kein Amazon und kein eBay. Nicht, weil ich irgendetwas zu verheimlichen hätte, sondern weil es einfach Dinge in meinem Leben gibt, die niemanden etwas angehen. Weil ich auch Geschäftskontakte in meinem Smartphone habe, denen meine Kinder im besten Falle nicht aus Versehen Nachrichten schicken sollten. Weil niemand Zugriff auf meine Mails haben muss, bloß weil ich ihm oder ihr grade ein paar Fotos zeigen will. Die Schwiegermutter muss nicht sehen, dass ich ihr (sicher gut gemeintes) Weihnachtsgeschenk für 1,50€ plus Porto bei ebay verhökert habe, bloß weil sie das falsche Icon gedrückt hat. Ich kann weder verhindern, dass meine Kinder Bücher in der eBook-App anklicken, die sie nicht anklicken sollen, noch welche Filme sie sich ansehen. Meine Frau muss nicht sehen, welche Geschenkideen ich in die Notizen-App gehämmert habe, kurz "Cloudlösungen" sind für mich unbenutzbar, zumindest über Gerätegrenzen hinweg. Ich bin mir fast sicher, dass das den Cloudgedanken ein bisschen ad absurdum führt.

Nicht mal die Spiele gehen mittlerweile noch davon aus, dass mehrere Benutzer sich ein Gerät teilen könnten. Was bei den Hardwareherstellern und den Betriebssystemen noch irgendwie Sinn macht (auf eine verquere "Jeder muss sein eigenes Produkt kaufen"-Weise) ist bei Spielen doch irgendwie total konfus. Vorbei sind die Zeiten, in denen man wochenlang versuchte den besten Freund endlich aus der eigenen Top10-Liste des Lieblingsspiels zu vertreiben. Dafür gibt es ja heutzutage die Spieleplattformen, wer braucht im Spielesektor schon persönliche soziale Interaktion? Entschuldigung, das war eventuell zynisch, es ist natürlich eine Kundenbindungsmaßnahme.

Ein typisches Erste-Welt-Problem wahrscheinlich. Sogar ziemlich sicher. Ziemlich sehr sicher. Na gut, es ist auf jeden Fall eins. Aber ich verstehe einfach nicht, wieso es nicht die Möglichkeit gibt Apps auf Betriebssystemebene mit einem Master-Passwort "abzuschließen". Oder einen Gastzugang mit eingeschränktem Zugriff. Oder gar eine Multi-User-Umgebung. Mit Benutzername und Passwort. Möglicherweise sogar in Kombination mit einem Gastzugang. Ich habe mich mit der Situation durch Verzicht arrangiert und ich werde es vermutlich überleben. Aber ich finde trotzdem schade, dass ich nicht alle Möglichkeiten dieser tollen Geräteklasse nutzen kann.

Herzlichst, Ihr Rock Galore

Kommentare

  1. Ich kenne diese Gedankengänge. Hier ist es genau so: Tablet = Familienangelegenheit, Smartphone = privat. Ich habe mich ebenfalls damit arrangiert, allerdings anders als Du, indem ich nämlich das iPad ohne Verzicht auf cloudbasierte Apps genau so nutze, wie das iPhone und darauf vertraue, dass kein anderer User Mist baut. Die mangelnde Multi-Userfähigkeit ist eine klare EInschränkung in iOS, falls es sich um ein iPad handeln sollte (?). In der Android-Welt sollte (afaik seit Android 4.2) dieses Feature gegeben sein.

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  2. Ja, ab Version 4.2 kann Android das. Meine Erfahrungen damit sind älter und es handelt sich im Text tatsächlich um ein iPad.
    Es sind ja auch keine weltbewegenden Themen, aber ich finde die Notizen-App ist ein ganz gutes Beispiel. Wenn man Weihnachtsgeschenke aufschreiben will fällt iCloud schon mal flach, also benutzt man zum Beispiel Evernote oder sonstwas. Das ist aber ja auch nicht Sinn der Sache.

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  3. Unabhängig der Zustimmung zu Deinen Gedanken halte ich die Aufzählung dessen, was Du nicht benutzen kannst, ohnehin für nicht benutzbar – in unserem Fall ehrlicherweise mit Ausnahme von Twitter.
    Hangouts, Facebook, Dropbox und Google Drive, genauso wie die iCloud, sind meines Erachtens No-Gos (vgl. http://prism-break.org). Selbst die eBay-App lässt sich bei Installation Rechte über die zur Nutzung notwendigen hinaus geben. Das gehört ebenfalls zum Schütz der Privatsphäre, wie ich finde.
    Das würde sich bei mir auch nicht ändern, käme eine Multi-User-Funktion fürs iPad.

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  4. Unabhängig der Zustimmung zu Deinen Gedanken halte ich die Aufzählung dessen, was Du nicht benutzen kannst, ohnehin für nicht benutzbar – in unserem Fall ehrlicherweise mit Ausnahme von Twitter.
    Hangouts, Facebook, Dropbox und Google Drive, genauso wie die iCloud, sind meines Erachtens No-Gos (vgl. http://prism-break.org). Selbst die eBay-App lässt sich bei Installation Rechte über die zur Nutzung notwendigen hinaus geben. Das gehört ebenfalls zum Schütz der Privatsphäre, wie ich finde.
    Das würde sich bei mir auch nicht ändern, käme eine Multi-User-Funktion fürs iPad.

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  5. Meine Haltung diesbezüglich ist vermutlich fatalistischer als deine. Ich hab dazu hier schon mal geschrieben. http://blog-galore.blogspot.de/2013/06/prism-break.html
    Theoretisch hast du natürlich recht, praktisch benötige ich den FB-Account beruflich. Das Gleiche gilt für Dropbox und Google Drive.
    Und Hangouts ist in Sachen Datenschutz immer noch um Welten besser als z.B. WhatsApp.
    Aber darum soll es hier ja prinzipiell nicht gehen.

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