#Prism Break

Ja, Sie haben Recht. Zum Thema #Prism ist vermutlich alles gesagt und auch dieser Blogpost wird nichts ans Licht bringen, was vorher im Dunkeln lag. Allein schon deshalb nicht, weil mir
a. für Geheimnisse die regierungsnahe Quelle fehlt
2. es in China um diese Jahreszeit nicht so schön sein soll und mir
III. meine persönliche Freiheit deutlich mehr am Herzen liegt als Ihre.
Lesen Sie also bitte wirklich nur weiter, wenn Sie grade nichts Besseres zu tun haben!

Im Grunde habe ich diesen Blogpost schon vor einer Weile in einem Tweet zusammengefasst:
Sieht man sich die Geschichte der Menschheit an, so entdeckt man sehr schnell den einen oder anderen roten Faden.

Ja, es ist an dieser Stelle dramaturgisch wichtig, etwas weiter auszuholen.
Zu diesen mannigfaltigen roten Fäden gehört, dass alles was möglich ist auch von irgendjemandem gemacht wird.
Der Mensch fand heraus wie man Feuer macht. Und Widersacher anzündet.
Wir fanden heraus, wie man Atome spaltet, um saubere Energie zu gewinnen. Und Widersacher damit in die Luft jagt.
Wir entwickelten motorisierte Fortbewegungsmittel. Und Methoden, Widersacher zu überfahren.
Wir erfanden den Toaster. Und ich bin mir sicher, dass schon mal jemand einen Widersacher mit einem solchen erschlagen hat.

Naja, ich bin fast sicher. Jedenfalls sicher genug, um meinen Standpunkt damit zu verdeutlichen.
Einigen wir uns also darauf dass es getan wird, wenn es möglich ist. Das ist ein Naturgesetz, welches natürlich auch für das Internet und die persönlichen Daten gilt. Wenn es lesbar ist, wird es gelesen. Wenn es auswertbar ist, wird es ausgewertet. Wenn es speicherbar ist, wird es gespeichert. Der einzige Weg, sich davor zu schützen, ist, das Internet nicht zu nutzen. Die diversen "Do Not Track"-Initiativen und Privacy-Optionen der Browser gaukeln möglicherweise etwas anderes vor, aber das ist Opium fürs Volk. Weiter nichts.

Nehmen wir Facebook. Ich kann "Do Not Track"-Optionen nutzen, mich nur im Privacy Mode und/oder mich nur einloggen, wenn ich es wirklich brauche und mich damit sicher fühlen. Aber Facebook wird wissen, mit wem ich befreundet bin. Daraus lässt sich recht schnell ein geografisches Profil bestimmen. Facebook weiß also wo ich wohne. Ebenfalls relativ schnell, je nach Mitteilungsbedürfnis meiner "Freunde", wird Facebook wissen wo ich wann zur Schule gegangen bin. Damit weiß Facebook schon recht viel über meinen Background. Es weiß ungefähr, aus welchen Verhältnissen ich stamme, zum Beispiel indem es demografische Studien unter Berücksichtigung meines Alters heranzieht. Es wird meinen Werdegang zur Uni nachvollziehen können, falls ich zur Uni ging, und es wird merken, wenn zu einem bestimmten Zeitpunkt mehrere "Freunde" aus der gleichen Firma hinzukommen und daraus ableiten, wo ich arbeite. Aus diesen Dingen lässt sich ein Werbeprofil erstellen, das mich genau genug zeichnet um meine Finanzkraft zu schätzen, meinen Ausbildungs- und statistischen Familienstand, die Anzahl meiner Kinder, kurz, mit wieviel Gold mich potentielle Werbepartner aufzuwiegen bereit sind. Ich habe zu diesem Zeitpunkt noch keinen Status geschrieben und noch keiner meiner "Freunde" kam auf die Idee dieses eine Foto zu posten, auf dem ich mal kotzend und nackt die Siamkatze der Freundin der Cousine irgendeiner Klassenkameradin, bei der grade Party war, bestiegen habe.

Wenn jemand fragt: DAS IST NIE PASSIERT!
Das geht natürlich ein wenig am Thema vorbei, denn die NSA ist wahrscheinlich relativ wenig an sodomistischen Übergriffen gegenüber Siamkatzen interessiert, jedenfalls nicht beruflich. Um für die NSA interessant zu werden, muss ich natürlich auch aktiv sein und dabei sind Facebook und Co. noch nicht mal das Hauptproblem. Stellt euch das soziale Internet einfach mal als ein Meer aus Wein vor. Im Grunde ist es das ja auch, dürfte also nicht so schwierig sein. Jede Information fließt in riesige Staudämme und von dort ins Meer hinaus, wo sie dann wieder rausgeholt, in Flaschen abgefüllt und z.B. bei Google+ ins Regal gestellt wird, wo sie jeder sehen kann. Jetzt gibt es Leute, die wissen wollen wie der Wein schmeckt. Aktuell denken alle, die Facebooks und Googles dieser Welt lassen die bösen Weinkritiker von der NSA jeden Wein aufmachen und probieren, aber das ist ja im Grunde von den Medien aufgeweichter Unsinn, der den eigentlichen Sachverhalt BILD-Leser tauglich aufbereitet. Der/Die/Das [Hier konspirativ vorbelastete Regierungsbehörde Ihrer Wahl einsetzen] muss ja nur zu den Staudämmen gehen, eine Suppenkelle in den Strom halten und sich kichernd die Kante geben. In diesen Staudämmen fließt alles zusammen. iMessages, WhatsApp-Nachrichten, Tweets, der Knuddels-Chat, die Amazon-Produktbewertung, VoIP-Telefonate, sprich, unser gesamtes digitales Leben. Das lässt sich nicht verhindern. Nicht durch "Do Not Track" und nicht durch Privacy Modes. Und schon gar nicht durch Verbote, Gesetze und Regeln. Wir erinnern uns: "Wenn es möglich ist, wird es auch gemacht".

Ich bin nicht so fatalistisch zu sagen, dass es sich nicht lohnt zu kämpfen. Die aktuelle Diskussion wird auf jeden Fall bewirken, dass alle Beteiligten in Zukunft besser aufpassen, dass nichts an die Öffentlichkeit gelangt. Das ist ja auch schon mal was. Im Grunde müssen wir uns aber damit abfinden, dass es nicht darum geht, ob wir und unser Tun überwacht und statistisch ausgewertet wird, sondern nur wer Zugriff auf die Daten bekommt und wie viele das unterm Strich mitlesen dürfen. Seien wir realistisch und finden uns damit ab: Der Kampf um unsere Daten war schon verloren, lange bevor wir überhaupt bemerkt haben dass es ihn gibt. Alles was es für uns zu gewinnen gibt, ist die Illusion gewonnen zu haben, sobald Zugeständnisse gemacht werden, die dann niemand einhält. Bis zum nächsten Whistleblower.

Herzlichst, Ihr Rock Galore.

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