Whatever happened to Rock N´ Roll?

Ich bin nicht sicher, wann es passiert ist. Zeitlich vermutlich irgendwann zwischen der Nickelbackschen Entscheidung zukünftig nur noch englischsprachigen Schlager zu machen und der Linkin Parkschen Entscheidung etwas mehr Discofox in ihren musikalischen Werdegang einfließen zu lassen. Irgendwo zwischen diesen beiden Punkten auf der Zeitlinie hat der Gitarrenrock seine Ehrlichkeit und seine Wut verloren. Zudem seine Bärte an die Hipster, seine Tattoos an die Hausfrauen und seine Piercings an die Lehramtsstudenten.

Den Punk, das kleine, dreckige Stiefkind des Stadionrocks, traf es dabei am härtesten. Zunächst verlor er den Iro, eines seiner optischen Haupt-Erkennungsmerkmale, an den Profifußball. Sein Wahrzeichen diente der Unterhaltung des Volkes, Brot und Spiele garniert mit blankrasierten Kopfseiten verwässern alles wofür der Punkrock steht, egal ob man damit die Sex Pistols oder die Dead Kennedys verbindet, Rancid, Bad Religion, Pennywise, The Clash oder wen auch immer. Heute gibt es das "Elektro-Punk"-Genre, dass jedem Punkfan Schauer über den Rücken jagen sollte (und nicht die wohligen), Gossip werden als Punk bezeichnet, was den Schluss zulässt, dass alles gegenstromige inzwischen als Punk bezeichnet werden darf und wenn es nur eine Sängerin ist, die auf gängige Schönheitsideale scheißt und schlecht singt. Ginge es danach, wären schon Guns N Roses in ihrer Blüte als Punkikonen zu bezeichnen gewesen.

Soweit der bittere Auswurf, der als Einleitung für den Auslöser dieses Blogposts dienen soll: Den Auftritt von Imagine Dragons bei Circus Halligalli am gestrigen Abend. Sieht man sich den Auftritt genauer an lässt sich relativ schnell einer der Hauptschuldigen für die Misere des Rock ausmachen: Indie. Es gab eine Zeit, da war Independent noch handgemacht, von echten Bands wie zum Beispiel New Model Army, und hatte nicht mal den Deminutiv nötig. Heutzutage klingt Indie-Rock wie die überproduzierte, promiskuitive kleine Schwester eines 80er-Jahre Bontempi Keyboards und ist Big Business, was seinen Namen, und damit seinen Ursprung, deutlich ad absurdum führt.

Doch zurück zu Imagine Dragons. Wir sehen eine 5-köpfige Indie-Rock-Band, die laut Wikipedia eigentlich aus 4 Leuten besteht, deren Sänger durchaus gewollt nach Irgendwie-Punk aussieht. Was wir hören klingt nach Halbplayback, welches das mit gutem Willen als halbgar zu bezeichnende Sangestalent hervorragend zur Geltung bringt, aber schon bei den Instrumenten scheitert der nicht mehr so geneigte Zuschauer. Nichts in dem Lied erinnert an eine echte Gitarre, einen echten Bass oder gar ein echtes Schlagzeug und schnell wird klar warum ein fünftes Bandmitglied benötigt wird, weil das einzige halbwegs authentische Instrument auf der Bühne der Synthesizer zu sein scheint. Als i-Tüpfelchen gehört zum Bühnenbild ein großes Trommeldings auf dem der Sänger manisch hüpfend die Bassdrum im Refrain intoniert. Wer diesen, zweifelsohne hochverantwortungsvollen, Job während der Strophe übernimmt bleibt das Geheimnis der 5 lustigen 4 Amerikaner, auf den Schlagzeuger würde ich allerdings nicht allzu viel Geld setzen.

Wer bis hierher gekommen ist ahnt es bereits, ja, dies ist ein weitgehend sinnfreier Blogpost der sich über einen weitgehend sinnfreien TV-Auftritt echauffiert und mir ist die Ironie dessen durchaus bewusst. Trotzdem möchte ich gerne abschließend festhalten, dass jeder Auftritt einer Helene Fischer oder Andrea Berg bei Florian Silbereisens Frühlingsfest ehrlicher und authentischer ist als dieses pseudorockige Rumgehopse gestern Abend und ich hoffe dass der Rock, fast 20 Jahre nach Kurt Cobain, bald wieder aufsteht und seinen kleinen, dreckigen Elektrobastarden den Hintern mit einer Stromgitarre versohlt.

Let There Be Rock. Amen.

Kommentare

  1. Hallo,
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